Freitag, 20. Oktober 2006

Der erste Besuch

Oft habe ich überlegt, was ich in der nächsten Fortsetzung von "Atlanta we are here" schreiben kann. Die neuesten Ereignisse im Hotel? Nein, interessiert nicht wirklich (obwohl wir dazu novh mit einer kleinen Anekdote kommen werden...) Oder von spannenden Autofahrten zur Arbeit? Oder vom letzten Einkauf bei Aldi oder Tankversuchen? Alles nicht wirklich das, was man so lesen/schreiben möchte.

Aber nun habe ich doch was zu berichten.

Es fing alles ganz harmlos an: vor etwa einem Jahr waren wir, Martina, in Frankfurt. Dort waren wir abends im Irish Pub und lernten dort Mark kennen. Mark ist aus Calgary, Kanada. Wir haben Email Adressen ausgetauscht und wie das so ist, man sagt "wir mailen" und nach einer Weile verliert sich leider der Kontakt.
Nun saß ich abends hier und dachte, schreib ihm doch einfach mal ne Mail. Mehr als keine Antowrt kann eh nicht kommen.
Und siehe da: es kam eine Antwort. Wir schrieben hin und her, bis ich dann irgendwann hinzufügt "komm mich doch mal besuchen!" Ja, das sagt man so, meint es ehrlich auch so. Aber dass daraufhin ein "ok, ich wie passt es Dir nächste Woche" kommt, damit hätte ich nicht gerechnet. Wow.
Also: ich hab meinen ersten Besuch!

Es war schon komisch, ich meine, wir haben uns einmal in einem schummrigen Pub gesehen und nun saß ich am Sonntag, nachts um halb eins am Airport und hab auf Mark gewartet. Wie sah er nur gleich aus? Hab echt überlegt mich mit so nem Schild in der Hand hinzustellen, diese Idee aber recht schnell wieder verworfen. Man will sich ja nicht die Blöße geben, dass man nicht mehr weiss, wie er aussah...
Aber man ist ja nicht so ganz blöd- hab einfach mein Namensschild an der Uniform gelassen.
Ich saß da, hab den Leuten zugeschaut, wie sie versuchten die schweren Koffer vom Gepäckband zu hiefen. Eine hat es nicht geschafft und ist um das halbe Band mit rumgelaufen- war lustig anzuschauen. Hat der Armen aber auch keiner geholfen...ok, ich auch nciht. Aber saß ja auch weit weg... Dann kam da einer, der hatte so nen roten Koffer, sah echt cool aus- der Koffer. Und dann hat der so nen riesen Sack vom Band gehieft. Boah, dachte ich noch: was ist denn da drin?!?!? Und dann kam der große Sack, der rote Koffer mit dazugehörigem Besitzer auf mich zu "Sarah? It's me, Mark" Ups....

Wir sind dann ins Holiday Inn gefahren, seiner Belibe für diese Woche. Ja, da fühlte ich mich doch wohl (in meiner Hilton Uniform allerdings etwas fehl am Platze).

Am nächsten Morgen haben wir uns zum Frühstück im Holi getroffen. Aber was danach? Wir haben beschlossen, einen auf Touri zu machen und alles abzuklappern, was man so an einem Tag schafft.
Angefangen haben wir mit etwas, was ich noch gar nciht kannte. Wir sind 3 Stunden durch ein Maisfeld gelaufen! Ja, durch ein Maisfeld. In das Feld war ein Irrgarten gemäht. War echt witzig. Man muss sich mal vorstellen, wie gross das Feld war, wenn man 3 (!) Stunden in einem Feld verbringt! Beeindruckend.

Danach sind wir wieder in die Stadt nach all der frischen LAndluft. Es war schön, wir sind einfach der NAse nach durch Midtown gelaufen. Durch die Seitenstrassen, auf den Hauptstrassen.
Sich an den Strassennamen zu orientieren ist im Übrigen ein Herausforderung. Fast alle Strassen in Midtown haben einen ähnlichen Namen: Peachtree street, Peachtree Avenue, Peachtree Road, Peachtree Circle, Peachtree Park Drive, Peachtree Drive, Peachtree Parkway- wow, das könnte man ewig fortsetzten...

Abends sind wir dann ins Kino. Ja, mein erster amerikanische Kinofilm. Welcher Film das war? Keine Ahnung, irgendwas mit Robin Willimans. Aber war nicht schlecht. Habe die Beschreibung von dem Film gelesen und dachte "ne Komödie, ist für den Anfang nicht leichte Kost".
Aber ganz obligatorisch: erst mal Popcorn und nen Softdrink. Wir haben gedacht, es reicht wenn wir uns das kleine Menü teilen: 1 kleine Popcorn und 2 kleine Softs. Glaubt mir, mir ist die Kinnlade runtergefallen: der kleine Popcorn war so gross wie bei uns die xxl-Ausage und der kleine (!) Softdrink hatte tatsächlich 2 Liter. Überlegt Euch mal wie gross dann gross ist, von xl ganz zu schweigen!! Ich brauchte auf jeden Fall beide Hände um den Becher in den Kinosaal zu tragen. Wow, 2 Liter Sprite in 2 Stunden- ich habs nciht geschafft!
Der Film war nicht schlecht- nur leider keine Komödie, eher ein Thriller. na, das war ja genau das für mich! Aber hab alles verstanden. Gar nicht so schwer

NAch dem Film waren wir noch in einer Jazzbar. Wir sind da in die Einfahrt gefahren und dann sah ich das Schild: Valet Parking. Oh, what a shame....wir kamen vor diesen noblen (zumindest von Aussen) Jazzbarclub in dem kleinen, dreckigen, alten unordentlich Honda in unserem Touristen Outfit vorgefahren. Aber über so was muss man ja souverän drüber stehen: folglich bin ich mit hoch rotem Kopf ausgestiegen!
Habe den kleinen Honda schon richitg ins Herz geschlossen, um so mehr tat es mir weh, als der Fahrer versuchte loszufahren. Hier fährt jeder Automatik- der hat Schaltung. Der Fahrer brauchte 4 Anläufe, bis er dann mit quitschenden Reifen davon rauschte.

Der Montag war leider absolut verregnet, aber das richitge Wetter für "The world of Coca Cola" Ein Museum der Superlative. Museum ist ja immer so ne Sache. Aber wow! Also, jeder der mal den Weg nach Atlanta findet: das ist Pflichtprogramm! Die Geschichte war interessant, aber was alles getoppt hat: das Probieren der über 40 veschiedenen Cola Sorten aus aller Welt. Wahnsinn. Es ist nicht zu glauben, was für eine süße Pampe in manchen Ländern getrunken wird.
Es gab auch Mezzo Mix (das gehört also zu Coca Cola- schon wieder was gelernt). Die Familie neben mir war ganz aus dem Häuschen: that's from Germany! Wow, that's delicious!

Danach sind wir dirket mal zu CNN gegangen. Der Mund war eh noch offen von Coca Cola- und er blieb es auch. Man kennt ja die Führungen durch den WDR und ähnliches. Aber das war beeindruckend. Eine kleine Stadt im CNN Gebäude. Da wirkt der Potsdamer Platz in Berlin lächerlich.
Bei der Führung konnte man schriftliche Übersetzungen haben. Um sicher zu gehen, hab ich mal eine Deutsche genommen. Aber, boah, hat das verwirrt. Zwischendurch hab ich mal versucht zu lesen auf Deutsch, was der erzählt auf englisch. Aber danach war ich 'lost'. Es ist erstaunlich wie schnell man in eine Sprache reinkommt und Dinge versteht, die man vorher noch nie gehört hat!
-Nico, I am not kidding you

Um den Sightseeing Tag perfekt zu machen, haben wir dann auch noch Underground Atlanta mitgenommen: eine überdimensional grosse unterirdische Shopping Mall. Aber kein Vergleich zu dem was man hier so an Malls kennt (Vergleichbar mit dem RRZ oder CentrO). Wow, das war mal wieder ein Kulturschock! Überall liefen diese Rapper Typen rum mit den Baggy Pans, also die Hosen, die in den Kniekehlen hängen. Einer rannte an uns vorbei- sah aus, als ob er gleich die Hose verlieren würde und viiiel zu kurze Beine hätte. UNd wie obercool ist es, die Hände in die Hosentaschen zu stecken. Blöd nur, wenn die Hose so weit unten hängt, dass der aufrechte Gang verloren geht und es wieder an die Neandertaler Zeiten erinnert. Lächerlich. Aber gut, gehört halt wohl dazu.

Ja, es waren wirklich schöne Tage. MArk wird noch bis Sonntag in der Stadt sein.
Mark, Du kannst es zwar nciht lesen aber: vielen Dank für Deine unermüdliche Hilfe, UnNterstützung und die vielen aufbauenden Worte!

Die zwei Tage Sightseeing waren wohl doch etwas viel. Am nächsten Morgen habe ich erts mal fett verschlafen. In all den Jahren ist mir das noch nie passiert! Und nie hatte ich Verständins, wenn einer sagte: ich hab verschlafen, sorry. Dachte immer, dann kauf Dir nen lauten Wecker und geh früher schlafen.
Aber wenn man sich wieder am Ende der Nahrungskette auf der Arbeit befindet, ist es eigentlich nur peinlich. Und das Gute ist: kündigen können die einen nicht. Also fehlen nur zwei Stunden auf dem nächsten Paycheck. ISt zu verkraften.

Martina, ich hab im Übrigen die Antwort auf die Frage, die wir uns beide gestellt haben: Mark ist 51.

Es ist schön, eine Voice form the past zu haben.
Wir kennen uns nciht, aber es hat ein bisschen was, als würde man mit deinem grossen Bruder durch die Strassen ziehen. Es tut gut, dass da auf einmal wieder jemand ist, der so vertraut erscheint (obwohl er es ja eigenltich gar nciht ist)
Und es bringt frischen Wind.
Nach all den Wochen, in denen man so viel erlebt und durchgemacht hat, ist es eine nette Abwechslung. Von Atlanta hatte ich bis dato noch nichts gesehen ausser Highway, Hotel und die Gegend hier ausserhalb. Dazu kommen dann ncoh die alltäglichen Hürden, die grossen und kleinen, die man nehmen muss.
Nico, wie Du schon sagtest, man ist auf einmal wieder an einem Punkt, den man eigentlich schon vor Jahren überwunden hatte: sich zurechtfinden in der "Welt der Erwachsenen". Herausfinden: wie geht das hier mit Debit Karte zu zahlen? Wie funktioniert es eine WOhnung zu mieten? Was um alles in der Welt ist eine Moneyorder? Und wie bringt man die Zapfsäule dazu, Benzin auszuspucken? Welches ist der WC Reiniger im Regal im Supermarkt? Darf man nun auf dieser Spur mit den komischen Zeichen auf dem Boden fahren oder nicht? Die Herausforderung der Speisekarte im Lokal, zu kalkulieren mit dem Geld, wenn man ständig vergisst die Tax hinzuzurechen,...die Liste scheint unendlich. Ja, man kommt sich vor wie 13-nicht mal. Denn man wächst auf mit dem, was wir Alltag nennen. Man kennt es halt nicht anders. Aber man wird wie ins kalte Wasser geworfen. Man lernt alles von Vorne, kommt sich teilweise vor wie von einem anderen Planeten. Wenn dann die Waitress im Local auch noch mit mitleidigem Blick fragt "oh, sweety, you guys are not from the south?!"
Aber das sind alles Dinge, aus denen man lernt.

Ja, Amerika ist schon ein verrücktes Land. Vor einigen Wochen habe ich meine Debit Karte (so was wie ne EC KArte) von der Bank geschickt bekommen. Alles soweit ok, aber die kleine Debit Karte die noch dabei war, hat mich schon irritiert. Wofür sollte die sein?? Hab dann mal bei der Bank gefragt: die Kreditkarte für den Schlüsselbund! Wow, sogar schon mit Loch. Muss man sich mal reinziehen. Wenn man also im Wal Mart an der Kasse zahlen möchte, muss man nicht mal das Portemonaie rauskramen, sondern einfach nur den Haustürschlüssel und die Karte im Miniformat durchziehen.
Das geht aber nciht überall. Wenn man zum Beispiel im Drive through am Bankautomaten ist, braucht man schon die grosse Ausgabe. Muss man sich mal vorstellen: man fährt durch den Drive trough an den Geldautomaten um Cash zu holen und fährt dann zum Starbucks Drive Trough.
Man braucht das Auto hier im Prinzip nicht mehr zu verlassen.
Habe ja immer die Leute belächelt, als man so hörte "ich bin zum Briefkasten und dann zum Mülleimer gefahren" Warum, um alles in der Welt, fährt man mit dem Auto?? Jetzt weiss ich warum: es ist einfach wirklich zu weit. Unser Trash Compactor zum Beispiel ist ca. 1 Meile vom Apartment entfernt. Wer will schon seinen Müllbeutel eine Meile spazieren tragen?

Es liegt noch ein langer Weg vor mir, bis man sagen kann "ich habe mich eingelebt". Da sind ncoh einige VEränderungen nötig. Aber die Steine sind ins Rollen gekommen und nicht mehr aufzuhalten. Aber dazu mehr in der nächsten Mail.

Ja, mir geht es soweit gut. Es ist eine aufregende Welt, eine Welt, die man erst begreifen lernen muss um sich zurechtzufinden.
Und ich freue mich schon ungemein, Euch allen die den Weg nach Atlanta finden, das hier zu zeigen. Habe viel Platz (so ohne Möbel...)

BIs dahin freue ich mich trotzdem, wenn ihr mich auf dem Laufenden haltet, was so in der Heimat passiert.

Seit alle ganz lieb gegrüßt und gedrückt!
Ya all have a good one
Sarah