Freitag, 9. Februar 2007

Back to Night Audit

Nachdem die Ära "Frankfurt" 2005 zuende ging und ich in Passau anfing, dachte ich ja nie, dass ich mal wieder da hin komme. Aber es ist tatsächlich so: der Nachtdienst hat mich wieder!
Da kommen schon die alten Erinnerungen hoch, damals im Express- Messe, als man pünktlich zum Tatort abends aufstand, dann zur Abreit ging, nachts freie Hand hatte, zur Musik tanzend seine Aufgaben erledigte. Und das natürlich immer gewissenhaft- selbst auf die Knie ist man gegangen um den Server zu suchen....Ja, so im Nachhinein waren das schöne Zeiten...
ALs ich nun letzte Woche auf den neuen Dienstplan schaute schienen diese Erinnerungen näher denn je. Doch schon da hätte ich mir denken können, dass es hier etwas anderes ist im Nachtdienst.

Nun sollte es also soweit sein. Püntklich setzte ich mich um 22.15 Uhr ins Auto und machte mich auf den Weg. Nach ca. 15 Minuten Fahrt ein Blick zur Linken, da erhob es sich in den dunklen Himmel, das Hilton. Viele der 504 Fenster hell erleuchtet. Meine Laune war erstaunlicher Weise unverändert gut bei dem Anblick, nahm meine Abfahrt 73, Virgina Ave, passierte noch 3 Blocks vorbei an Mc Donald's, Wendys, Ruby Tuesdays &Co. In die Service Road vom Hotel eingebogen, stand ich auch schon vor der Schranke zum Team Member Parkplatz, öffnete die Fahrertür um meinen Parkausweis durch den Automaten zu ziehen und ging dann noch immer recht motivierten Schrittes Richtung Personaleingang.

Im Back Office wurde ich schon freudig von Cosmin, meinem Front Office Manager begrüßt "ready to learn something new? Night audit is a real challange". Wenn er sagt, der Nachtdienst ist eine Herausforderung, dann will ich ihm mal glauben....
Ronnie, der Kollege diese Nacht, erschien zur "Feier des Tages" pünktlich zum Dienst.
Wie man den Dienst beginnt? Tja, als Erstes schaut man mal, mit wievielen Zimmern man denn heute wieder überbucht ist. Daraus resultierend fängt man dann wild an Zimmer in einem anderen Hotel zu suchen. Ist ja nicht so, dass man das vorher schon mal machen könnte- steht ja schließlich auch nicht auf der Checkliste für den Spätdienst (was sicherlich mal ein Verbesserungsvorschlag wäre dies dort aufzunehmen).

Nun also zur täglichen Routine: die Checkliste für den Night Audit hervorholen, an seiner Station wie gewohnt einrichten und los kann es gehen. Bisher schien kein grosser Unterschied zu den anderen beiden Schichten zu sein, man steht halt da und wartet auf die Gäste...aber wie gut dass es Checklisten gibt die man nach und nach abbarbeiten kann.
Es wurde es ruhiger im Haus, die Gäste haben sich auf die Zimmer zurückgezogen, die Kollegen aus anderen Abteilungen verabschiedet. Blieben also nur wir an der Rezeption, ein Concierge, Housekeeping und Security übrig.

Da, Ronnie gab das Startzeichen "we gonna start the closeout"
Mittlerweile hatte ich eine Art Glücksgefühl: endlich etwas, was von der Arbeit tagsüber abweicht, endlich eine Gelegenheit die Zahlen des Hotels zu sehen, etwas mehr bzw anderes zu machen als zu stehen und zu warten, "hinter die Kulissen" schauen zu können.
Voll von dieser hohen Erwartung stellte ich also auch schon die ersten Fragen: welche Listen man denn jetzt zieht, bevor man den Nachtlauf starten kann...Das nächste Mal bin ich schlauer und frage nicht. Die Antwort die ich bekam "also was das für Listen sind, das steht auf der Checkliste und was die Zahlen darauf bedeuten weiss ich nicht. Und was meinst Du mit Nachtlauf?" Aaahhh ja! Also noch mal genauer auf die Sagen umwogene Checkliste geschaut, die doch tatsächlich 8 Seiten umfasst. Dies ist leicht zu erklären: jeder Schritt ist genauestens erklärt, um diese Schicht zu arbeiten muss man also nur lesen können...Also abwarten was so passiert und Ronnie auf die Finger schauen.
Wir folgten der Checkliste bis zu dem Punkt "Buchhaltung anrufen". Da habe ich mich ja schon gefragt: warum? Das hier die Buchhaltung mit zwei Leuten nachts besetzt ist habe ich schon mitbekommen, dachte auch soweit zu wissen, was die beiden machen. Der Anruf zu den Kollegen schien mir ja auch noch einzuleuchten, aber was dann passierte überstieg doch meine bisher gekannten Vorgehensweisen: auf unseren Monitoren an der Rezeption öffneten sich plötzlich Fenster "Processing Night Audit" Jetzt verstehe ich: die Buchhaltung macht den Nachtlauf! UNd meine Hoffnung etwas zu lernen oder besser gesagt etwas von Zahlen und Umsätzen zu sehen hebe ich mir wohl für den nächsten Job auf!

Was machen wir jetzt? Klare Frage, noch klarere Antwort: Nix!
Na, Nix ist wohl eine wenig übertrieben, ich beschäftigte mich mit emails, Internet und dem Kaffee von der Coffee Bar, schaute Rosa vom Housekeeping zu wie sie mit dem Staubsauger auf dem Rücken saugte und baute ein Kartenhaus aus Schlüsselkarten.
Ca. 1,5 Stunden später dann der Anruf aus dem Accounting: the system is back up. Kaum zu glauben, da arbeitet man mit einem von Hilton so hoch gelobten Reserierungssystem und das braucht mehr als eine Stunde für den Nachtlauf?? Wow!

Der Morgen dämmerte, das Leben begann wieder im Haus. Ronnie erwachte auch wieder von seinem Nickerchen was er die letzten 1,5 Stunden hielt und fragte ein wenig verschlafen "was steht noch auf unserer Checkliste?" Mal schauen, was steht da noch: Papier in den Druckern auffüllen. Und, wie sollte es auch anders sein? Es steht dort sogar WIE man das macht! Wie gut das es Checklisten gibt! Also folgte ich der Anleitung Schritt für Schritt "Kopierpapier und Registration Cards aus dem BAckoffice holen; öffne die Lade im Drucker, fülle Papier bis zur Makierung auf. Wiederhole das Selbe mit den Registration Cards, achte darauf, dass die beschriftete Seite unten links liegt. Räume danach die leeren Kartons weg" Na dann kann ja nichts mehr schief gehen!

Kurzum: die so hoch angepriesene Herausforderung wie mir der F/O Manager versicherte, bestand wohl darin sich zu beschäftigen und fit zu bleiben bis zum nächsten Morgen...

In diesem Sinne: ein Hoch auf alle Checklisten und allen eine gute Nacht!