I have a dream...
So fing einst die berühmte Rede von Martin Luther King an (der im übrigen heute Geburtstag hat und somit hier Feiertag ist). Ein Mann, der die USA zu dem gemacht hat, was sie heute sind: ein Land ohne Sklaverei, ohne Rassismus- das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der (un-)möglichsten Dinge und Taten.
Womit wir auch schon beim Thema wären...
Wenn man so an die vorherigen Emails denkt, dann lässt sich schon erahnen: das Leben hier ist doch ein wenig anders als das Leben, das wir in ‚good old germany“ führen. Aber nun, nach schon fast 5 Monaten, besteht der Alltag hier noch immer aus Höhen und Tiefen, Herausforderungen, kleinen und auch größeren Steinen und auch unglaublichen Dingen.
Das Leben hier geht etwas langsamer von statten als wir das so kennen. Angefangen von dem Tempo den hier so mancher Fußgänger, Supermarktbesucher oder auch Mitarbeiter an den Tag legt bis hin zu größeren Projekten.
Zum Beispiel wird gerade das Fitness- und Waschcenter hier im Apartmentkomplex renoviert. Die Fertigstellung verschiebt sich gerade mal um einen guten Monat!
Dies wiederum hatte zu Folge, dass ich das Vergnügen hatte eine Coin Lundry aufzusuchen. ...habt ihr eine Ahnung was für ein Gefühl es ist, wenn man im Ghetto von Atlanta in einen Waschsalon geht, mit einem blau-weiß karierten Wäschesack unter dem Arm auf dem netterweise auch noch „Wäsche“ aufgestickt ist? Aber half ja nix, also Wäsche in die nächst beste Maschine gestopft und dann recht ratlos vor den fremden Anweisungen stehen. Meine Ratlosigkeit hat man mir wohl angesehen, prompt kam schon jemand um mir einen wirklich guten Tipp zu geben:„das sind die Trockner“...oh no, wie peinlich. Eine Stunde harrte ich nun vor den Maschinen (hier sei zu erwähnen: erst vor der Waschmaschine dann erst vor dem Trockner) aus, tat dabei mein Möglichstes mich nicht als ‚Ausländer’ zu outen, bis diese endlich fertig waren. Ihr seht, es gibt Erfahrungen, die man eigentlich sein Leben nicht machen möchte- und dazu gehört definitiv seine Unterwäsche vor 16- jährigen Ghettokids und homeless people zusammenzulegen..
Zum Thema Langsamkeit, was man sicherlich auch mit Bequemlichkeit gleich setzten kann, gibt es noch weitere Beispiele..
Um zum Beispiel den Kontostand zu prüfen wird nicht mal online geschaut oder gar eine Art Kontoauszug bei der Bank geholt. Nein, man ruft an.
Dies wird einem hier aber auch recht einfach gemacht. Bevor man sich durch Bedienungsanleitungen, Telefonbuch oder anderes wühlt, wählt man einfach die kostenfreie Nummer, die garantiert ganz groß überall steht: call 1- 800- bankofamerica. Ich habe es auch mal probiert, man ist ja neugierig (oder eher gesagt: oft gibt es keinen anderen Weg). Aber anstatt mit einem netten Menschen an der anderen Leitung in einem Callcenter verbunden zu werden, landet man für gewöhnlich in der Live- Stimmen- Hölle: eine freundliche Computerstimme, die einem circa 9 verschiedene Optionen gibt, welchen Service man abfragen will. Dies gestaltet sich recht schwierig, denn wenn die Dame bei Option Nr. 9 angekommen ist, hat man längst vergessen, was denn die Nummern 1-7 waren...So geht es dann durch ca 10 weitere Menüoptionen, bis einem die Geduld reißt. Mein Flehen an die Computerstimme „gibt mir einen echten Mitarbeiter“ wird von der Dame freundlich mit „Ich habe Sie leider nicht verstanden, beginnen Sie bitte noch einmal von vorne“ beantwortet.
Generell wird hier schnell zum Telefonhörer gegriffen. Wie oft erhält man an der Rezeption Anrufe „wie spät ist es“, „wie ist das Wetter draußen“, „welcher Lichtschalter ist für das Licht im Flur?“ oder „auf welchem Kanal ist der Sportsender gespeichert?“ Man sollte ja meinen, man schaut auf den Radiowecker direkt neben dem Telefon, öffnet die Gardinen oder probiert einfach mal die Lichtschalter durch...
Ein Volkssport der Amerikaner ist nicht etwa Football oder Baseball- nein, es ist das Beschweren!
Nun bin ich 7 Jahre in der Hotellerie und habe sicherlich in dieser Zeit schon einiges an Dingen gesehen und gehört. Aber was man hier an Beschwerden hört, das übertrifft alles.
Wie oft denke ich an die Dame zurück, die nach dem Wetter fragte. Sie kam Stunden später wieder und beschuldigte mich, ich hätte ihr eine falsche Auskunft gegeben „es ist ja viel wärmer“- natürlich entschuldige ich mich, dass ‚weather.com’ falsche Angaben gemacht hat und übernehme persönlich die Schuld, dass sie nun zu warm angezogen war.
Oder der Herr, der in der Schlange zum Einchecken warten musste und nun natürlich für die guten 5 Minuten Wartezeit die Übernachtung umsonst bekommt. Oder der andere Herr, der mit den brandneuen Kaffeemaschinen auf dem Zimmer nicht zufrieden ist und dafür nun zwei Nächte umsonst übernachtet.
Nicht zu vergessen natürlich auch der Herr, in dessen Zimmer die Glühbirne in der Stehlampe beim Sessel kaputt war. Er konnte nicht in dem Sessel lesen und somit dann die ganze Nacht nicht schlafen.
Oder die Dame, die mit der Sender Einstellung am TV nicht zufrieden war, denn zu Hause hat sie die Sender auf anderen Kanälen gespeichert.
Mit Beschwerden umgehen und Lösungen finden ist das Eine. Aber was wirklich schwer ist in diesen Situationen: ernst bleiben, dem Gast das Gefühl zu geben ‚ich versteh Dich’ und ein ernst gemeintes „I do appolgize for this, Ma’am/ Sir’ über die Lippen zu bringen. Nicht das einem nach lautem Loslachen zumute wäre, denn es gibt Dinge, die lassen einem wirklich am gesunden Menschenverstand zweifeln- nein, man muss aufpassen dass man nicht einen Gesichtsausdruck wie „meinst Du das jetzt wirklich ernst?!?!“ aufsetzt...denn Blicke sagen ja bekanntlich mehr als Worte..
All diese Gäste, und noch viiiieeele mehr, haben natürlich ihren Willen und damit etwas umsonst bekommen- im Normalfall die Übernachtung.

Wenn man an die USA denkt, denkt man an ein Land des technischer Fortschritts und der Superlative. Aber glaubt mir, in Europa sind wir da doch etwas weiter- schließlich sind wir soweit Strom- und Telefonkabel in der Erde zu verbuddeln und nicht alle Kabel über die Strasse zu spannen, Häuser nicht aus Holz zu bauen, den TÜV für Fahrzeuge zu haben und Porzellangeschirr zu benutzen und Getränke nicht aus Pappbechern mit Plastikdeckel zu servieren. Ich erinnere mich, als Kind hatte ich eine Schnabeltasse, diese Pappbecher ähneln dieser doch sehr...
Aber es gibt hier auch das andere Amerika. Das Amerika, das auf Gleichberechtigung setzt (nicht umsonst gibt es am ‚drive through’ Geldautomaten die Anleitungen auch in Blindenschrift!), auf das Freizeitleben (Entertainment wird an jeder Ecke geboten), natürlich des Überdimensionalen (dazu zählt nicht nur die unzählige Auswahl an Fast Food Angeboten, sondern auch die Verpackungseinheiten oder der Körperumfang des Durchschnittsamerikaners). Das ist das Amerika, was nicht mit Europa gleich zusetzten ist. Was wirklich schön ist, ist die Freundlichkeit der Menschen hier. Man grüßt wildfremde Menschen auf der Strasse und das obligatorische „hi, how are you doing“ ist zwar oberflächlich, aber dennoch sehr schön (auf die auch oft gestellte Frag „hey, what’s up“ habe ich aber bis dato immer noch keine passende Antwort gefunden...)
I have a dream...
Welchen Traum bzw. welche Erwartungen ich hatte als ich in die USA gegangen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau. Die Illusion vom American way of life, ein Leben, das einfacher und voller Freude und Erlebnisses ist? Die Teilnahme an einem Career Program in der Hotellerie?! Eine Mischung aus allem wahrscheinlich. Vieles davon ist zerplatzt wie eine Seifenblase, wiederum anderes war eine wirklich positive Überraschung.
Dennoch: eine Erfahrung, die einen stärkt, denn man macht hier Erfahrungen, die man so nie machen würde in Deutschland oder auch in Europa.
In diesem Sinne: liebe Grüße aus Atlanta und einen schönen Feiertag!
Sarah
So fing einst die berühmte Rede von Martin Luther King an (der im übrigen heute Geburtstag hat und somit hier Feiertag ist). Ein Mann, der die USA zu dem gemacht hat, was sie heute sind: ein Land ohne Sklaverei, ohne Rassismus- das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der (un-)möglichsten Dinge und Taten.
Womit wir auch schon beim Thema wären...
Wenn man so an die vorherigen Emails denkt, dann lässt sich schon erahnen: das Leben hier ist doch ein wenig anders als das Leben, das wir in ‚good old germany“ führen. Aber nun, nach schon fast 5 Monaten, besteht der Alltag hier noch immer aus Höhen und Tiefen, Herausforderungen, kleinen und auch größeren Steinen und auch unglaublichen Dingen.
Das Leben hier geht etwas langsamer von statten als wir das so kennen. Angefangen von dem Tempo den hier so mancher Fußgänger, Supermarktbesucher oder auch Mitarbeiter an den Tag legt bis hin zu größeren Projekten.
Zum Beispiel wird gerade das Fitness- und Waschcenter hier im Apartmentkomplex renoviert. Die Fertigstellung verschiebt sich gerade mal um einen guten Monat!
Dies wiederum hatte zu Folge, dass ich das Vergnügen hatte eine Coin Lundry aufzusuchen. ...habt ihr eine Ahnung was für ein Gefühl es ist, wenn man im Ghetto von Atlanta in einen Waschsalon geht, mit einem blau-weiß karierten Wäschesack unter dem Arm auf dem netterweise auch noch „Wäsche“ aufgestickt ist? Aber half ja nix, also Wäsche in die nächst beste Maschine gestopft und dann recht ratlos vor den fremden Anweisungen stehen. Meine Ratlosigkeit hat man mir wohl angesehen, prompt kam schon jemand um mir einen wirklich guten Tipp zu geben:„das sind die Trockner“...oh no, wie peinlich. Eine Stunde harrte ich nun vor den Maschinen (hier sei zu erwähnen: erst vor der Waschmaschine dann erst vor dem Trockner) aus, tat dabei mein Möglichstes mich nicht als ‚Ausländer’ zu outen, bis diese endlich fertig waren. Ihr seht, es gibt Erfahrungen, die man eigentlich sein Leben nicht machen möchte- und dazu gehört definitiv seine Unterwäsche vor 16- jährigen Ghettokids und homeless people zusammenzulegen..
Zum Thema Langsamkeit, was man sicherlich auch mit Bequemlichkeit gleich setzten kann, gibt es noch weitere Beispiele..
Um zum Beispiel den Kontostand zu prüfen wird nicht mal online geschaut oder gar eine Art Kontoauszug bei der Bank geholt. Nein, man ruft an.
Dies wird einem hier aber auch recht einfach gemacht. Bevor man sich durch Bedienungsanleitungen, Telefonbuch oder anderes wühlt, wählt man einfach die kostenfreie Nummer, die garantiert ganz groß überall steht: call 1- 800- bankofamerica. Ich habe es auch mal probiert, man ist ja neugierig (oder eher gesagt: oft gibt es keinen anderen Weg). Aber anstatt mit einem netten Menschen an der anderen Leitung in einem Callcenter verbunden zu werden, landet man für gewöhnlich in der Live- Stimmen- Hölle: eine freundliche Computerstimme, die einem circa 9 verschiedene Optionen gibt, welchen Service man abfragen will. Dies gestaltet sich recht schwierig, denn wenn die Dame bei Option Nr. 9 angekommen ist, hat man längst vergessen, was denn die Nummern 1-7 waren...So geht es dann durch ca 10 weitere Menüoptionen, bis einem die Geduld reißt. Mein Flehen an die Computerstimme „gibt mir einen echten Mitarbeiter“ wird von der Dame freundlich mit „Ich habe Sie leider nicht verstanden, beginnen Sie bitte noch einmal von vorne“ beantwortet.
Generell wird hier schnell zum Telefonhörer gegriffen. Wie oft erhält man an der Rezeption Anrufe „wie spät ist es“, „wie ist das Wetter draußen“, „welcher Lichtschalter ist für das Licht im Flur?“ oder „auf welchem Kanal ist der Sportsender gespeichert?“ Man sollte ja meinen, man schaut auf den Radiowecker direkt neben dem Telefon, öffnet die Gardinen oder probiert einfach mal die Lichtschalter durch...
Ein Volkssport der Amerikaner ist nicht etwa Football oder Baseball- nein, es ist das Beschweren!
Nun bin ich 7 Jahre in der Hotellerie und habe sicherlich in dieser Zeit schon einiges an Dingen gesehen und gehört. Aber was man hier an Beschwerden hört, das übertrifft alles.
Wie oft denke ich an die Dame zurück, die nach dem Wetter fragte. Sie kam Stunden später wieder und beschuldigte mich, ich hätte ihr eine falsche Auskunft gegeben „es ist ja viel wärmer“- natürlich entschuldige ich mich, dass ‚weather.com’ falsche Angaben gemacht hat und übernehme persönlich die Schuld, dass sie nun zu warm angezogen war.
Oder der Herr, der in der Schlange zum Einchecken warten musste und nun natürlich für die guten 5 Minuten Wartezeit die Übernachtung umsonst bekommt. Oder der andere Herr, der mit den brandneuen Kaffeemaschinen auf dem Zimmer nicht zufrieden ist und dafür nun zwei Nächte umsonst übernachtet.
Nicht zu vergessen natürlich auch der Herr, in dessen Zimmer die Glühbirne in der Stehlampe beim Sessel kaputt war. Er konnte nicht in dem Sessel lesen und somit dann die ganze Nacht nicht schlafen.
Oder die Dame, die mit der Sender Einstellung am TV nicht zufrieden war, denn zu Hause hat sie die Sender auf anderen Kanälen gespeichert.
Mit Beschwerden umgehen und Lösungen finden ist das Eine. Aber was wirklich schwer ist in diesen Situationen: ernst bleiben, dem Gast das Gefühl zu geben ‚ich versteh Dich’ und ein ernst gemeintes „I do appolgize for this, Ma’am/ Sir’ über die Lippen zu bringen. Nicht das einem nach lautem Loslachen zumute wäre, denn es gibt Dinge, die lassen einem wirklich am gesunden Menschenverstand zweifeln- nein, man muss aufpassen dass man nicht einen Gesichtsausdruck wie „meinst Du das jetzt wirklich ernst?!?!“ aufsetzt...denn Blicke sagen ja bekanntlich mehr als Worte..
All diese Gäste, und noch viiiieeele mehr, haben natürlich ihren Willen und damit etwas umsonst bekommen- im Normalfall die Übernachtung.

Wenn man an die USA denkt, denkt man an ein Land des technischer Fortschritts und der Superlative. Aber glaubt mir, in Europa sind wir da doch etwas weiter- schließlich sind wir soweit Strom- und Telefonkabel in der Erde zu verbuddeln und nicht alle Kabel über die Strasse zu spannen, Häuser nicht aus Holz zu bauen, den TÜV für Fahrzeuge zu haben und Porzellangeschirr zu benutzen und Getränke nicht aus Pappbechern mit Plastikdeckel zu servieren. Ich erinnere mich, als Kind hatte ich eine Schnabeltasse, diese Pappbecher ähneln dieser doch sehr...
Aber es gibt hier auch das andere Amerika. Das Amerika, das auf Gleichberechtigung setzt (nicht umsonst gibt es am ‚drive through’ Geldautomaten die Anleitungen auch in Blindenschrift!), auf das Freizeitleben (Entertainment wird an jeder Ecke geboten), natürlich des Überdimensionalen (dazu zählt nicht nur die unzählige Auswahl an Fast Food Angeboten, sondern auch die Verpackungseinheiten oder der Körperumfang des Durchschnittsamerikaners). Das ist das Amerika, was nicht mit Europa gleich zusetzten ist. Was wirklich schön ist, ist die Freundlichkeit der Menschen hier. Man grüßt wildfremde Menschen auf der Strasse und das obligatorische „hi, how are you doing“ ist zwar oberflächlich, aber dennoch sehr schön (auf die auch oft gestellte Frag „hey, what’s up“ habe ich aber bis dato immer noch keine passende Antwort gefunden...)
I have a dream...
Welchen Traum bzw. welche Erwartungen ich hatte als ich in die USA gegangen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau. Die Illusion vom American way of life, ein Leben, das einfacher und voller Freude und Erlebnisses ist? Die Teilnahme an einem Career Program in der Hotellerie?! Eine Mischung aus allem wahrscheinlich. Vieles davon ist zerplatzt wie eine Seifenblase, wiederum anderes war eine wirklich positive Überraschung.
Dennoch: eine Erfahrung, die einen stärkt, denn man macht hier Erfahrungen, die man so nie machen würde in Deutschland oder auch in Europa.
In diesem Sinne: liebe Grüße aus Atlanta und einen schönen Feiertag!
Sarah