Dienstag, 26. Dezember 2006

Merry x-mas

Dienstag, 26.12.2006
6.09 Uhr morgens.
Der Interstate 75/85 south ist wieder voll heute Morgen. Wo wollen die alle hin? Ach ja, zur Arbeit, so wie ich. Ist ja schließlich wieder ein normaler Werktag heute.

6.27 Uhr
Ankunft im Back Office im Hotel.
Ronnie und Carmen straheln mich an „good morning, how are you?“ Klar strahlen die beiden so kurz vor Feierabend. Mir hingegen schießen Wortfetzen wie ‘6 Uhr morgens ... eisige Kälte ... Regen ... 8,5 Stunden arbeiten ... müde ... ’ durch den Kopf.

6.33 Uhr
Es ist soweit, Lisa und ich betreten den Front Office Bereich, richten uns jeweils an unserer Station ein: Kasse in die Schublade, Schlüsselkarten ordnen, Papier auffüllen, Meldescheine sortieren.
Craigh stößt nun zu uns. Nun stehen wir da, wie die Orgelpfeifen und schauen gerade aus. Niemand zu sehen. Nur Jonny, der Concierge und Chris, der Bellboy schleichen recht gelangweilt durch die Lobby.

Oh, Telefon klingelt. Ich gehe dran. „Wie, in Ihrem Zimmer regnet es?!...ach so...Kleiderschrank voll...Jacke auf den Bügel an die Sprinkleranlage gehängt... Sprinkleranlage ist losgegangen...“
Als ich damals im Hotel gewohnt habe, dachte ich schon dass der Aufkleber mit dem durchgestrichenen Bügel direkt neben dem Sprinkler im Zimmer etwa so viel zu bedeuten hat wie „keine Bügel an den Sprinkler hängen“
Aber natürlich verstehe ich, dass man die Jacke nicht einfach mal auf dem Bett oder über dem Stuhl zwischenlagern kann. Und natürlich entschuldige ich mich, dass Sie das nicht wissen konnten. Es heißt ja auch, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wir reden hier ja nicht über das interpretieren von Bildern.
Und natürlich werden wir alles daran setzen, UNSEREN Fehler wieder gut zu machen „Die Übernachtung geht selbstverständlich auf uns“

7.13 Uhr
Lisa, Craigh und ich haben unseren täglichen Rhythmus nach diesem schon fast alltäglichen Zwischenfall aufgenommen: nichts tun.
Was tun? Ach, da fällt mir was ins Auge. Gestern war doch Weihnachten (an dieser Stelle im übrigen „frohe Weihnachten gehabt zu haben an alle“). Da habe ich einen Weihnachtsmann gemalt, diesen ausgeschnitten, ausgemalt und dann aufgehängt. Er hängt noch immer da...konnte mich gar nicht erinnern dem guten Santa Clause Teufelshörner gemalt zu haben...

7.28 Uhr
Ich starre noch immer auf Santa, als mich plötzlich eine Stimme aus den Gedanken reißt. Eigentlich sind es gleich mehrere Stimmen. Aus den Lautsprechern in der Lobby trällert Weihnachtsmusik „Santa Clause is coming to town“ (halte ich eher für nicht mehr passend, er ist ja schon wieder weg). Craigh und Lisa singen beide laut mit. „Sing mit“ fordern sie mich auf- ‚nein das wollt ihr nicht, bestimmt nicht.’ Dennoch stimme ich mit ein.

7.51 Uhr
wir singen immer noch.
Kenya ist mittlerweile zum Dienst erschienen, wie immer pünktlich etwa eine Stunde zu spät. Aber das stört hier nicht. Nun singen wir zu viert (aber wir haben an dieser Stelle mal den Song gewechselt ‚Rudolph the red nose reindeere’)
Ein Gast steht vor mir. Was will der wissen? Ich frage besser noch mal nach „wie man die Rolltreppe benutzt? “- doch Richtig verstanden „einfach draufstellen“, sage ich. Er freut sich, weiß nun wie er eine Etage runter kommt und ich bin froh, habe meine gute Tat für heute also schon erledigt.

Telefon: „Nein, ich weiß leider nicht, welchen Highway Sie in North Carolina fahren müssen um in den Staat Georgia zu kommen. Und, nein ich weiß leider auch nicht, wie lange die Fahrt dauern wird, bis Sie bei uns sind- und dafür entschuldige ich mich natürlich gerne“

Ein Check out. Die Dame ist sehr nett. Wir reden ein wenig, sie sagt die Toilette im Zimmer sei verstopft. Nix Neues, passiert hier öfters mal.

Dann direkt ein Check in. Sein Name ist Robertson, aber leider habe ich die Reservierung nicht im System. Nein, eine Reservierungsnummer hat er nicht. Und gebucht unter einem anderen Namen hat er auch nicht....mensch, wieso komme ich denn nicht gleich drauf, dass ER die Reservierung nicht gemacht hat „natürlich ist die Reservierung auf den Namen Smith gemacht, wie konnte ich das nur nicht wissen“

Wieder versucht einer mit 2 Koffern die schmale Rolltreppe runter zu fahren. Ups, wär fast schiefgegangen. Ein Schmunzeln kommt mir über die Lippen. Daher die Aufzüge..

Von draußen kommt diese Frau rein. Es regnet noch immer, aber warum die Sonnenbrille drinnen abnehmen? Und dann stolperte sie über den Teppich in der Lobby. Wie gut dass ihre Absätze nur ca. 7 cm hoch sind, sonst wäre sie wohl gefallen.

Dann der Typ, der die Mc Donald’s Tüte in der Hand hat. Der Dicke. Der mit den Rentieren auf dem Pulli vorne drauf. Genau, der mit der Frau, die das Shirt „I was in Atlanta“ anhat. *Brüll*

8.19 Uhr
Die Kollegen aus den Büros trudeln nach und nach ein. Dienstbeginn ist ja auch 8 Uhr.
Da kommt sie wieder. Die aus dem Sales. Dicker Pulli an, Minirock...äh...breiter Gürtel, ihre unförmigen Burger-und-Cola-Beine in die zu engen Stiefel gezwängt. Wie jeden Tag sagt Lisa dazu „das ist unpassend“

Ein Check in. Die Dame trommelt ungeduldig mit ihren künstlichen Fingernägeln auf dem Counter. Ich erzähle ihr die wichtigsten Dinge, die sie wissen sollte „Ihr Zimmer befindet sich auf der 5. Etage...Entschuldigung, was sagen Sie?...Ach, Sie reden nicht mit mir sondern haben angefangen zu telefonieren. ‚Tschuldigung, mein Fehler...“ Dennoch fahre ich fort mit meinen Erklärungen, ignoriere dabei dass es eventuell unhöflich wäre zu sprechen, während die Dame telefoniert. „Die Aufzüge befinden sich....“ aber sie ist schon außer Hörweite. Da dreht sie sich plötzlich um „Wo sind die Aufzüge?“ *grrr*

9.00 Uhr
Uns ist langweilig.
Ich schreibe SMS. Wenn man schon keine Weihnachtsgrüße verschickt...

10.30 Uhr
Ups, schon so spät? Wo ist die Zeit geblieben? Was habe ich gemacht in den letzten zwei Stunden? Warum sitzt Lisa auf dem Boden? Ach, sie kann nicht mehr stehen.

11.00 Uhr
Lunchtime!!
In der Kantine angekommen höre ich schon- bin mitten in den Housekeeping Rush gekommen. Mist. Das heißt warten. In der Schlange stehend lasse ich mich von lautem Spanisch der Kollegen von den Etagen einlullen.
Was gibt es heute? Mh, die gelbe Pampe könnte ...irgendwas... sein. Und das Grüne? Ah, ich glaube das waren mal Bohnen. Und das in der Mitte ist Chicken. Man geht ja auf Nummer sicher: Salat!
Nach dem Essen wage ich ein paar Schritte vor die Tür. Es ist kalt. Die Luft klar, wenn man erst mal an den Mülltonnen vorbei ist.

13.00 Uhr
Noch zwei Stunden. Puh. Was tun an einem Tag wie heute? Es wäre mal wieder an der Zeit die Schlüsselkarten zu sortieren....

13.06 Uhr
Nun liegen alle Schlüsselkarten wieder mit den Pfeilen in eine Richtung. Und die Kappen sind auch wieder auf den Kulis.

13.07 Uhr
Mit einer Büroklammer pule ich Staub aus der Tastatur.

13.08 Uhr
keine Lust mehr dazu

13. 27 Uhr
Was in der Zwischenzeit war, kann ich leider nicht mehr sagen. Aber wahrscheinlich nicht all zu viel.
Craigh singt noch immer.

14.00 Uhr
mh, noch 45 Minuten und der Spätdienst kommt durch die Tür. Zeit, schon mal die Abrechnung zu machen.

14.09 Uhr
I am ready to go home

14.53 Uhr
Kein Spätdienst weit und breit. Wo sind Maren, Jennifer und Cosmin? Na, werden schon gleich kommen, schließe also meine Kasse und logge mich aus.

14.54 Uhr
Endlich, die Ablösung kommt.
Nun frage ich strahlend „Hey, how are you?“ *grins* Mir geht es gut, ich gehe jetzt nach Hause......